
Diesel bei 2,32 Euro: Wie die Spritpreise 2026 in einem Taxibetrieb ankommen
Verfasst von
Yasin Akbulut
Inh. Taxi Akbulut Tübingen
Am 9. September 2026 hat der ADAC für Diesel einen bundesweiten Durchschnitt von 2,321 Euro je Liter gemeldet, fast neun Cent mehr als eine Woche zuvor. Super E10 lag bei 2,259 Euro (ADAC Spritpreis-Auswertung, 09.09.2026). Für jemanden, der einmal im Monat tankt, ist das eine Nachricht. Für einen Betrieb, dessen Fahrzeuge morgens um halb fünf zum Flughafen Stuttgart starten und abends Fahrgäste vom Universitätsklinikum nach Hause bringen, ist es eine Rechnung.
Wir fahren seit 1986 in Tübingen. Eine Preisphase wie diese haben wir in vierzig Jahren selten erlebt.
Was ein Liter Diesel heute mehr kostet als vor einem Jahr
Der Sprung ist nicht neu, aber er hat sich beschleunigt. Im Jahresvergleich liegt Diesel rund 81 Cent je Liter über dem Wert vom September 2025 (Spritpreisportal benzinpreis-aktuell.de, Stand 12.09.2026). Wer 50 Liter tankt, zahlt also gut 40 Euro mehr als für dieselbe Tankfüllung im Vorjahr. Bei einem Fahrzeug, das im Schichtbetrieb mehrmals pro Woche an die Säule fährt, summiert sich das schnell auf eine vierstellige Zahl im Monat.
Der Rohölpreis erklärt das nur zum Teil. Brent lag zuletzt knapp unter 100 US-Dollar je Barrel, und der ADAC hält das Preisniveau an den Zapfsäulen für nicht vollständig erklärbar; der Club fordert mehr Transparenz bei der Preisbildung auf Raffinerie- und Großhandelsebene.
Warum der Taxitarif dem Dieselpreis hinterherläuft
Ein Taxameter lässt sich nicht so anpassen wie ein Preisschild im Schaufenster. Der Taxitarif ist eine Rechtsverordnung: Er wird von der zuständigen Behörde – bei uns dem Landratsamt – festgelegt und gilt für alle Betriebe im Pflichtfahrgebiet gleichermaßen.
Der Weg dorthin ist lang. Das Gewerbe stellt einen Antrag, die Verwaltung prüft die Kostenlage, ein Gremium beschließt, danach müssen sämtliche Taxameter umgestellt und geeicht werden. Diese Kosten trägt der Betrieb selbst. Ein Beispiel aus dem Frühjahr: In Köln beschloss der Rat die Tarifänderung am 19. März 2026, in Kraft trat sie zum 1. Juni – zweieinhalb Monate später. In Leipzig stiegen die Beförderungsentgelte im Juli 2026 um 7,5 Prozent; dort war die Zahl der Taxen seit der letzten Erhöhung im Jahr 2022 um 48 auf 510 zurückgegangen.
Der Dieselpreis darf sich jeden Tag ändern. Der Tarif ändert sich alle paar Jahre. Genau in dieser Lücke arbeitet die Branche gerade.
Der Bundesverband Taxi und Mietwagen hat deshalb bei der Politik drei Punkte vorgeschlagen: eine Rückerstattung der Energiesteuer, eine befristete Senkung der Energiesteuer und eine zeitweise Umsatzsteuerbefreiung für Taxifahrten. Der sogenannte Tankrabatt, der vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 galt, brachte rund 17 Cent brutto je Liter – für gewerbliche Vielfahrer eine Entlastung auf Zeit, kein Ausgleich.
Der Festpreis ist unsere Seite des Risikos
Beim Flughafentransfer nach Stuttgart arbeiten wir mit Festpreisen statt mit dem Taxameter. Eine Fahrt ab Tübingen mit der Mercedes E-Klasse Limousine kostet 85 Euro, im Preis enthalten sind 60 Minuten Wartezeit und die Flugverfolgung über Flightradar24.
Gebucht wird so eine Fahrt oft Wochen im Voraus. Was der Diesel bis zum Abholmorgen macht, weiß an diesem Tag niemand. Steigt er in der Zwischenzeit um neun Cent, ist das unser Thema und nicht Ihres. Wir halten das trotzdem für den richtigen Weg, weil ein Fahrgast um 4:30 Uhr wissen will, was die Fahrt kostet, und nicht, wie der Ölmarkt am Vortag geschlossen hat.
Auf der Langstrecke wiegt jeder Cent schwerer. Bei einer Fahrt über 500 Kilometer schlagen zehn Cent je Liter deutlich stärker durch als auf dem Weg von der Schwärzlocher Straße zum Bahnhof. Wer eine Fernfahrt mit dem Taxi plant, bekommt den Preis deshalb vorab verbindlich genannt – auch dann, wenn wir dafür kalkulieren müssen, was in drei Wochen an der Säule steht.
Was sich seit April an der Zapfsäule geändert hat
Diesen Teil bekommen Fahrgäste selten mit, für die Disposition eines Fuhrparks ist er aber der größte Eingriff des Jahres. Seit dem 1. April 2026 gilt in Deutschland das sogenannte Österreich-Modell: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen.
Damit gilt die alte Faustregel nicht mehr. Früher war der frühe Abend die günstige Zeit. Nach einer ADAC-Auswertung von mehr als 14.000 Tankstellen im Mai 2026 liegt der günstigste Zeitpunkt jetzt kurz vor 12 Uhr, danach springen die Preise nach oben.
Für einen Taxibetrieb heißt das: Die Tankfüllung gehört in den Vormittag. Genau dann laufen aber die Frühfahrten – Tübingen zum Flughafen Stuttgart dauert vor 6 Uhr rund 20 Minuten, ab 6 Uhr werktags eher 30, weil sich die B27 füllt. Wer um 11 Uhr mit einem Fahrgast auf der A81 unterwegs ist, tankt an diesem Tag teurer. Das ist kein Drama. Es ist einer der vielen kleinen Posten, die sich über einen Monat zu einer spürbaren Summe addieren.
Dazu kommt die Streuung zwischen den Anbietern: Der ADAC beziffert die üblichen Preisunterschiede zwischen Tankstellen mit bis zu sieben Cent je Liter, an Autobahntankstellen deutlich mehr.
Woran wir nicht sparen
Drei Dinge bleiben, unabhängig davon, was die Anzeige an der Säule sagt.
Kurze Fahrten werden angenommen, auch mit Karte. Wer eine Fahrt ablehnt, weil sie kurz ist und der Fahrgast keine Barmittel dabei hat, hat den Beruf missverstanden.
Zugesagte Festpreise bleiben zugesagt. Einen nachträglichen Spritzuschlag auf eine bestätigte Buchung gibt es bei uns nicht.
Die Fahrzeugpflege wird nicht heruntergefahren. Ein sauberes Fahrzeug ist Grundausstattung, kein Extra.
Diese Haltung hat einen nüchternen Grund. Uns interessiert nicht der Umsatz von heute Abend, sondern der Fahrgast, der in fünf Jahren wieder anruft. Wie gut das funktioniert, steht in über 600 Bewertungen bei Google und ProvenExpert mit einem Durchschnitt von 4,9 von 5 Sternen.
Was Sie als Fahrgast jetzt konkret tun können
Wer die Kosten im Griff behalten will, hat zwei wirksame Hebel.
Vorbestellen statt spontan buchen. Für feste Strecken – Flughafen, Klinik, Bahnhof – können wir einen Festpreis nennen, bevor Sie zusagen. Das gilt auch für Fahrten innerhalb Tübingens, wenn wir sie im Mietwagenverkehr abwickeln, also auf Vorbestellung statt am Taxistand.
Fahrten bündeln. Vier Personen in einem Fahrzeug zum Flughafentransfer ab Tübingen teilen sich einen Preis, den sonst einer allein trägt. Bei der V-Klasse sind es bis zu sieben Personen.
Häufige Fragen
Werden die Taxipreise wegen der Spritpreise jetzt steigen?
Der Taxitarif wird nicht vom Betrieb festgelegt, sondern per Rechtsverordnung von der zuständigen Behörde. Eine Erhöhung setzt einen Antrag, eine Prüfung und einen Beschluss voraus; danach müssen alle Taxameter umgestellt und neu geeicht werden. Das dauert Monate.
Bleibt der Festpreis zum Flughafen Stuttgart bestehen, wenn der Diesel weiter steigt?
Ein bestätigter Festpreis gilt. Einen nachträglichen Spritzuschlag auf eine bereits bestätigte Buchung erheben wir nicht.
Kann ich auch kurze Strecken mit Karte bezahlen?
Ja. Kartenzahlung ist bei uns auch auf der Kurzstrecke möglich.
Warum kostet eine Taxifahrt mehr als eine Fahrt mit dem eigenen Auto?
Im Fahrpreis stecken neben dem Kraftstoff die Personalkosten, die Versicherung, die Wartung, die Konzessionsgebühren und die Prüfungen des Fahrzeugs. Der Kraftstoff ist der Posten, der sich am schnellsten verändert, aber nicht der größte.
Yasin Akbulut
Taxiunternehmer und Taxifahrer seit +20 Jahren. Weiterhin mit Leidenschaft dabei.
